Programm für den Fachschaftsrat Sozialwissenschaften – Kritische Fachschaftsaktive Sozialwissenschaften: Liste 1
Es ist nicht nur eine Parole, wenn man sagt: wenn einer von uns unbefreit ist, dann sind alle unbefreit. Denn es steht denen nichts im Wege, die den anderen Unrecht antun, „uns“ auch anzugreifen. Das lässt sich historisch gut beweisen, denn dafür ist kein Feind erforderlich, sondern nur die Feindlichkeit. Ihre Grundlage ist der politische Konflikt zwischen dem hegemonialen ausbeuterischen Partikularinteresse und dem Allgemeininteresse. Wer endlose Kriege führt, muss das „eigene Volk“ dafür opfern; nur dazu dient die Fantasie vom Volk.
Die Studierenden haben immer die spezifische Aufgabe innerhalb der modernen Gesellschaften, kritisch zu denken, d.h. nichts als gegeben anzunehmen, sondern nach den Ursachen zu suchen, nach der Struktur, die das (Un)Mögliche als solche darstellt. Wir müssen also über das hinausgehen, was uns als die Sphäre des Handelns (des Möglichen) verkauft wird.
Die Kürzungen an der Universität, die immer schlechtere soziale Lage der Studierenden und der Leistungsdruck sind damit besonders gemeint. Der politische Konflikt lässt sich nicht verstecken, es ist eine Entscheidung, die wir zu treffen haben: Entweder eine nicht-assimilierende, offene und solidarische Kultur, in der die Befreiung von der Unterdrückung des einzelnen die Befreiung aller bedeutet – oder eine konkurrenzhafte, angepasste Kultur, wo jede:r ihren eigenen „Teil des Kuchens“ sichern will. Wir befinden uns nicht außerhalb der materiellen Welt. Man solidarisiert sich mit z.B. Geflüchteten, nicht weil man mit ihnen nur sym-pathisiert, sondern, weil das dem Allgemeininteresse der Menschheit in der Überwindung der Un-terdrückung dient.
„Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker“
Ernesto Che Guevara
Wir haben also zu entscheiden, entweder den Krieg durchkommen zu lassen – und das nicht nur durch Mitmachen, sondern durch das geschehen lassen, und durch perspektivlose Politikersatz-Kultur – oder die Beendigung durch perspektivvollen Ungehorsam gegen ein System, das nur durch Gehorsam aufrechterhalten werden kann. Perspektivvoller Ungehorsam beinhält zwei gleichermaßen wesentliche Teile: Das Dagegen- und Dafürsein, gegen Gehorsam und für eine humane Perspektive. Fatalismus (das Dagegensein ohne das Dafürsein) ist also keine Lösung; die historische Erfahrung der anti-kolonialen und anti-faschistischen Bewegungen und Befreiungskämpfe zeigen klar auf, dass der Kampf nicht nur gegen Faschismus und Kolonialismus war, sondern für eine neu humanistische Welt, die die Würde aller gewährleistet, beispielsweise durch den Kampf um die Menschenrechte als auch der Kampf um die New International Economic Order (NIEO) und um das Selbstbestimmungsprinzip usw.
Diese Kämpfe werden durch den Neokolonialismus, Neoliberalismus und deren Institutionen wie IWF und deren Förderer ins Gegenteil verkehrt. Deswegen kämpfen die Jugendlichen in Frankreich, Albanien und Serbien, deswegen kämpfen die Antifaschist:innen in Brasilien, und deswegen kämpft das kolonialisierte palästinensische Volk, und alle Völker, die für Brot, Bildung, soziale Gerechtigkeit und Freiheit kämpfen.
Darin besteht unsere spezifische Aufgabe als Sozialwissenschafts-Studierende, Forschende und Botschafter*innen dieses emanzipatorischen Geists zu sein. Dafür braucht es vor allem nicht nur das Bewusstsein unserer Positionalität innerhalb dieser Verhältnisse, sondern auch unsere zu erwerbende Fähigkeit, diesen Geist zu Programmen umzuwandeln; damit die progressiven Kämpfe fortgeführt werden und der humanistische Realismus realisiert wird!
Unser Vorhaben und Forderungen für die Fachschaftsrats-Arbeit:
- Kampagne aus den Sozialwissenschaften für die Ausfinanzierung der Universität Hamburg
- Politikwissenschaften und Journalistik müssen eigenständig sein. Ebenso die Soziologie in den Sozialwissenschaften und der Sozialökonomie. Kein Zusammenlegen eigenständiger Studiengänge!
- Wiedereinführung des Studiengangs Internationale Kriminologie.
- Ausbau der Friedenswissenschaften, insbesondere der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF).
- Finanzielle Grundlagen für einen größeren statt kleineren Lehrkörper, insbesondere eine weitere Professur in den internationalen Beziehungen sowie in der Politischen Theorie und mehr Personal für die Verwaltung.
- Vollständige Wiedereinrichtung des Pferdestalls.
- Studienreform, u.a. Abschaffung der neu eingeführten teuren Studieneingangstests, unbegrenzte Prüfungsversuche, deutlich weniger Prüfungen und ein projektorientiertes Studium.
- In der Orientierungswoche sollte u.a. die kritische Auseinandersetzung mit den Leistungsmaßstäben schon jetzt ein Studium im persönlichen Interesse ermöglichen.
- Beratung: Eine wöchentliche Sprechstunde des Fachschaftsrats sollte erste Anlaufstelle sein, um alle Probleme im Studium und darüber hinaus zu beraten und solidarisch zu lösen.
- Der Fachschaftsrat sollte sich am bundesweiten Kampf für ein BAföG für Alle beteiligen.
- Diskussionsveranstaltungen der Fachschaft, um zusammen aktuelle politische Konflikte, in die sich die Sozialwissenschaften einmischen sollten, zu diskutieren (z.B. zum AFD-Verbot oder zu Friedenslösungen für den Krieg in der Ukraine).
- Antifaschistische Lesung aus den von deutschen Faschisten verbrannten Büchern zum Jahrestag der Bücherverbrennung durch Studierende der Universität Hamburg (15.5.1933) und eine Projektwoche zum 8.Mai., dem Tag der Befreiung vom Faschismus.
Studentische (Wahl)-Vollversammlung: Donnerstag, den 29.10.26 um 16:00 Uhr, im Hörsaal Phil G
Urnenwahl im Pferdestall-Foyer (AP1), am Montag, den 02.11.26 um 12:00-16:00 Uhr und am Dienstag, den 03.11.26 um 12:00-16:00 Uhr
Wahlberechtigt sind Studierende von: BA und MA Soziologie, BA und MA Politikwissenschaft,
Nebenfächer Soziologie und Politikwissenschaft und Unterrichtsfach Lehramt Sozialwissenschaften
Wir kandidieren als offene Liste – alle sind herzlich eingeladen mitzukandidieren, mitzumachen und mittwochs zu unseren regelmäßigen Treffen dazu zu kommen!

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